Konzertbericht aus der Luzerner Zeitung, Dienstag, 4.05.2021 / Gerda Neunhoeffer

«Ave Maria»

Sonntag, 2. Mai 2021, 18.30 Pfarrkirche St. Katharina Horw

Magische Verwandlung in Mariengesängen

Ohne Publikum erfüllte das Frauenvokalensemble Les Voc-à-Lises die Kirche St. Katharina in Horw mit eindrucksvollen Stimmenvolumen.
Während die Kammerkonzerte am Wochenende mit Besuchern stattfinden konnten, durfte das Konzert in der Pfarrkirche St. Katharina in Horw am Sonntagabend nur live gestreamt werden. Denn dort wurde gesungen– von der Empore aus, weit weg von den Plätzen im Kirchenschiff. Das professionelle Frauenvokalensemble Les Voc-à-Lises aus der Region Bern interpretierte Gesänge um Maria : die Mutter Gottes, Maienkönigin, Maria als Vermittlerin zwischen den Menschen und Gott.

Das «Ave Maria» verbindet die Verehrung Marias mitgleichzeitiger Bitte um Beistand in aller Not. Mariengesänge aus verschiedenen Jahrhunderten zeigen das in vielerlei musikalischem Gewand. Bestimmte Melodien wiederholen sich durch Epochen hindurch, scheinen in traditioneller Volksmusik ebenso auf wie in modernen Kompositionen. Von Gregorianik bis hin zu Grieg, Tschaikowsky, Saint-Saëns und noch lebenden Komponisten haben die 19 Vertonungen schwebende Methodik und lichten Charakter. Das Spiel zwischen Dur und Moll zieht sich durch die Werke. Es zeigt die Dulderin Maria auf der Erde und die Königin im Himmel in immer wieder neuen klanglichen Facetten.

In Zoltán Kodálys Komposition gelang den acht Sängerinnen diese magische Verwandlung zu himmlischer Helligkeit eindrucksvoll. Da schwangen sich die Soprane mühelos in reine Höhen, während die tiefen Stimmen den erdigen Grund behielten. Auch für andere Kompositionen fanden die Sängerinnen den richtigen Charakter. Allein bei den traditionell bayerischen Gesängen ging die schlichte Schönheit der Weisen im Klangvolumen etwas unter. Die Frauenstimmen erfüllten die leere Kirche in dem achtstimmigen «Ave Maria» von Gustav Holst bis in den letzten Winkel. Besonders überzeugte das Ensemble in Kompositionen mit Dissonanzen und grossem Klangspektrum. So im «Ave Maria» von Efrem Podgaits, in dem sich die Stimmen aus einstimmiger Hymne immer mehr verzahnen, vervielfältigen, ausweiten. Das Orgelspiel von Martin Heine in Poulencs «Litanies à la Vierge Noire» gab neue Klänge zum Gesang. Da entwickelte sich aus der gregorianischen Einfachheit ein subtiles Gemälde vieler Empfindungen. Es reichte von demütigem Bitten in feinen Melodien bis zu dramatischer Todesangst in krassen Reibungen. Die darauffolgende lange einstimmige Passage wurde mit einer Intensität gesungen, die erschauern liess, ein Höhepunkt in diesem Konzert.

Weiterhin als Stream verfügbar

Erstaunlich tonal wirkte dagegen das «Ave Maris Stella» von Eva Ugalde, tröstlich, harmonisch, homofon. In «Laudi alla Vergine Maria» aus den «Quattro pezzi sacri» von Verdi brachten die Sängerinnen den opernhaften Charakter wunder bar zum Klingen, der Schall verteilte sich weit in den Kirchenraum. Zuhörer hätten das gerne direkt erlebt. 


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 Konzertbericht aus der Luzerner Zeitung, Dienstag, 23.03.2021 / Urs Mattenberger

«Bach to the Future»

Sonntag, 21. März 2021, 17.00 Pfarrkirche Horw

Barocke Farben vereinen sich mit fieberhaftem Jazz

Der zweite Livestream der Musik zu St. Katharina Horw zeigt, wie auch digitale Formate von der Liveakustik profitieren können.
Seelenruhig sank der Klangstrom von Alain Doblers Saxofon von der Orgelempore in die Kirche St. Katharina in Horw hinunter, geleitet von den weichen Klängen der von Martin Heini gespielten Orgel. So wurde in der Zugabe dieses Konzerts der «Musik zu St. Katharina» doch noch eine Art Gottesdienst.
Und so wären wenigstens hier, zu Astor Piazzollas «Ave Maria», 50 Personen zugelassen gewesen. Aber das war nicht der Fall: «Zutritt zur Kirche verboten wegen Konzertaufnahme für den zweiten Livestream aus der Katharinakirche», stand auf Tafeln bei den Eingängen.

Aber während Martin Heini für freie religiöse Feiern Werke mit Bezug zu geistlichen Inhalten zusammenstellt, ging er hier den umgekehrten Weg: Johann Sebastian Bach wurde ins Weltliche umgedeutet – hin zur Romantik von Robert Schumann und zum Jazz in neueren Werken mit Bezug zu Bach.

Starke Konkurrenz für Orgel und Trompete

Allerdings nutzten die Musiker die Verbindung der Orgel mit Saxofon nicht nur für das Klischee eines jazzigen «Bach to the future» (Konzerttitel). Im Gegenteil. Dobler steigerte Sonaten von Bach mit dem Atem und dem wandelbaren Ton seines Sopransaxofons zu berstender barocker Farbigkeit. Geheimnisvoll wie eine Klarinette dämmert es aus Begleitstimmen herauf, segelt auf Synkopen dahin mit der Intensität einer Oboe und krönt Höhepunkte mit dem Jubelglanz einer Trompete. Für die beliebte Kombination von Orgel und Trompete erwuchs hier starke Konkurrenz.
Das galt umso mehr, als die Musiker die Balance zwischen den Instrumenten geschickt nutzten. Bei Bach schlängelte sich das Blasinstrument auch mal schlank durch Orgelfigurationen. In Schumanns Studien für den Pedalflügel trat es auch malvoluminös hervor und zog die Orgel wie ein Echo hinterher – nur um in den weiteren Studien dieses Rollenspiels umzukehren.
Bachs Zukunftsfähigkeit zeigte sich weniger in Liselotte Kunkels schwergewichtig verjazzten «Badinerie» als darin, wie nahtlos sich Johannes M. Michels «Swing Five» mit fiebrigen Saxofonkurven da anschloss. Dass bei alledem die Kirchenakustik auch in einem Stream zur Geltung kommen kann, beweist eine Meditation von Giacinto Scelsi :Wie sich hier die Klänge des Tenorsaxofons in der Kirche überlagerten und aneinander rieben, hört man auch im Digitalformat.

Hinweis
Der Livestream des Konzerts ist weiterhin verfügbar



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 Konzertbericht aus der Luzerner Zeitung, Montag, 04.01.2021 / Urs Mattenberger

«Nel dolce dell’oblio»

Sonntag, 3. Januar 21, 17.00 Pfarrkirche Horw

Ein Betruf für den Gott der Liebe
Die Musik zu St.Katharina in Horw zeigt mit einem Livestream, wie die aktuelle Krise Konzerte über Corona hinaus inspirieren könnte.
Was für ein Gotteslob! Der Sopran von Sara Jäggi steigt steil und glanzvoll in den Himmel der Kirche St.Katharina in Horw. Verselbstständigt sich unter dem Gewölbe und im Hall des leeren Kirchenraums, als flöge er weiter. Auch dann noch, wenn sich die Melodie, umspielt von Pius Strassmanns Blockflöte, wieder in die dunkeln Gespinste des Continuos von Daniel (Cello), Simon Linné (Laute) und Martin Heini (Orgel) mischt.
Johann Christoph Pepuschs Kantate «When Love’s Soft Passion» war damit am Sonntag der Abschluss eines denkwürdigen Dreikönigskonzerts. Denn die verschworene Barocktruppe zauberte ein Höchstmass an intimen Stimmungen und verschwenderischen Farben in die Kirche.

Reguläres Saisonkonzert, aber nur als Livestream
Vielleicht inspirierten sich die Musiker auch deshalb hautnah, weil sie nicht hin zu einem – nicht vorhandenen – Publikum spielten, sondern eng zusammenrückten. So liess sich Jäggis schlanker, aber expressiv ausgreifender Sopran von den schwerelosen Verzierungen von Strassmanns Flöte anstecken (in Händels «Nel dolce dell’oblio»). Umgekehrt dehnten Flöte und Cello ihre instrumentalen Linien mit expressiven Impulsen, als wäre es Gesang.
Ein hochkarätiges Barockkonzert also trotz Corona? Nein! Denn in Wirklichkeit ist an diesem Sonntag alles anders und komplizierter. Beim «Gott», von dem in Pepuschs Kantate die Rede ist, handelt es sich um «the God of Love». Und auch in den übrigen Werken von Händel, Henry Purcell und Alessandro Scarlatti geht es um eine ganz und gar irdische Liebe, die uns bei Händel bis in den Schlaf hin­ein mit Trugbildern verführt.
Damit konnte dieses reguläre Konzert der aktuellen Saison der Musik zu St.Katharina unmöglich als Gottesdienst durchgehen, zu dem nach den gegenwärtigen Coronaregeln 50 Besucher zugelassen wären. Und so blieb das Publikum ausgeschlossen und wurde das Konzert bloss als Livestream öffentlich zugänglich gemacht.

Munition für das aktuelle Kultur-Manifest
Dass an einem «Epiphanie»-­Konzert nicht die Erscheinung des Herrn, sondern der Gott Amor im Zentrum stand, zeigt, wie durchlässig die Grenzen zwischen weltlichen und geistlichen Konzerten geworden sind. Denn zwischen Gottesdiensten mit Musik und Konzerten ohne religiösen Bezug sind gerade rund um Weihnachten spirituelle musikalische Alternativangebote gefragt. Das ist Munition für das Manifest, das verlangt, dass neben politischen oder religiösen Veranstaltungen auch Kulturinstitutionen vor aktuell 50 Besuchern wieder spielen dürfen (vgl. Beitrag unten).
Könnte man, bis es so weit ist, ein solches Barockkonzert in ein neues Format einbinden – mit einem «systemrelevanten» Gottesdienst-Element, zu dem Publikum zugelassen wäre? «Im Fall des Epiphanie-Konzerts war das nicht mehr möglich», sagt der Organist Martin Heini, der für die Musik zu St.Katharina zuständig ist: «Die Zeit nach der Absage der Konzerte war zu kurz, um dafür eine neues Konzept zu entwickeln».
Aber Heini macht sich, wie andere Kirchenmusiker, Gedanken, wie man «Musik und Wort» zu neuen Formaten verbinden kann. So hat er im Dezember mit der Sopranistin Maria C. Schmid zwei Vespern durchgeführt, die zweimal «voll» waren: «Es gibt eindeutig ein Bedürfnis für Konzerte, die eine Form der Besinnung anbieten.»
Heini spricht von «freien liturgischen Formen», die Gebete einschliessen können, aber nicht herkömmliche Gottesdienste sind: «Wer wegen der Musik in die Kirche kommt, sucht hier in der Regel keine Eucharistiefeier. Denkbar ist, dass wir künftig solche Anlässe zusätzlich durchführen, inspiriert durch die Coronasituation, aber über diese hinaus.»

Auch die Musik öffnet sich neuen Formaten
Das Streamingkonzert zeigt, wie man auch Konzertprogramme hin zu neuen Formaten öffnen kann. So fügten Jäggi und Strassmann zwischen die barocken Werke kurze Improvisationen. Einmal züngelte die Blockflöte ekstatisch über einem archaisch beschworenen Betruf der Stimme. Später unterlegte Strassmann den hochfliegenden So­pran mit perkussiven Grooves, die man eher an Meditationsritualen erwartet.
Kam hinzu, dass kein Applaus die Stücke trennte. So wuchsen diese über die Stille hinweg zusammen. Wenn etwa der Lichtstrahl der Flöte unmittelbar auf den dunkeln Ton des Cellos in einer Sonate von Alessandro Scarlatti antwortete, war auch das musikalisch eine wundersame «Epiphanie».

Hinweis
Der Livestream des Konzerts ist weiterhin verfügbar auf ==> hier klicken

 

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 Sei willkommen

Liturgische Vesper im Advent am 13. Dezember 2020

Maria C. Schmid Sopran und Martin Heini, Orgel gestalten eine Vesper mit Auszügen aus Werken von Felix Mendelssohn. 'Sei willkommen', 'Meine Seele dürstet nach Gott', 'Sei stille dem Herrn' und das 'Salve Regina' sind die wunderbaren Gesangseinlagen von der Sopranistin Maria C. Schmid begleitet von Martin Heini mit der grossen Orgel.  

Orgelrezital

vom 8. November 2020

Martin Heini resp. Andreas Jost, Orgel, hätten Werke von Louis-Nicolas Clérambault, César Franck und Maurice Duruflé interpretiert.
Das Konzert musste ein zweites Mal infolge der allgemeinen Weisungen bezüglich Übertragungsrisiko Coronavirus (COVID-19) von Bund und Regierung Kanton Luzern abgesagt werden.