Konzertbericht aus der Luzerner Zeitung, Dienstag, 23.03.2021 / Urs Mattenberger
«Bach to the Future» Sonntag, 21. März 2021, 17.00 Pfarrkirche Horw

Barocke Farben vereinen sich mit fieberhaftem Jazz

Der zweite Livestream der Musik zu St. Katharina Horw zeigt, wie auch digitale Formate von der Liveakustik profitieren können.
Seelenruhig sank der Klangstrom von Alain Doblers Saxofon von der Orgelempore in die Kirche St. Katharina in Horw hinunter, geleitet von den weichen Klängen der von Martin Heini gespielten Orgel. So wurde in der Zugabe dieses Konzerts der «Musik zu St. Katharina» doch noch eine Art Gottesdienst.

Und so wären wenigstens hier, zu Astor Piazzollas «Ave Maria», 50 Personen zugelassen gewesen. Aber das war nicht der Fall: «Zutritt zur Kirche verboten wegen Konzertaufnahme für den zweiten Livestream aus der Katharinakirche», stand auf Tafeln bei den Eingängen.

Aber während Martin Heini für freie religiöse Feiern Werke mit Bezug zu geistlichen Inhalten zusammenstellt, ging er hier den umgekehrten Weg: Johann Sebastian Bach wurde ins Weltliche umgedeutet – hin zur Romantik von Robert Schumann und zum Jazz in neueren Werken mit Bezug zu Bach.

Starke Konkurrenz für Orgel und Trompete

Allerdings nutzten die Musiker die Verbindung der Orgel mit Saxofon nicht nur für das Klischee eines jazzigen «Bach to the future» (Konzerttitel). Im Gegenteil. Dobler steigerte Sonaten von Bach mit dem Atem und dem wandelbaren Ton seines Sopransaxofons zu berstender barocker Farbigkeit. Geheimnisvoll wie eine Klarinette dämmert es aus Begleitstimmen herauf, segelt auf Synkopen dahin mit der Intensität einer Oboe und krönt Höhepunkte mit dem Jubelglanz einer Trompete. Für die beliebte Kombination von Orgel und Trompete erwuchs hier starke Konkurrenz.
Das galt umso mehr, als die Musiker die Balance zwischen den Instrumenten geschickt nutzten. Bei Bach schlängelte sich das Blasinstrument auch mal schlank durch Orgelfigurationen. In Schumanns Studien für den Pedalflügel trat es auch malvoluminös hervor und zog die Orgel wie ein Echo hinterher – nur um in den weiteren Studien dieses Rollenspiels umzukehren.
Bachs Zukunftsfähigkeit zeigte sich weniger in Liselotte Kunkels schwergewichtig verjazzten «Badinerie» als darin, wie nahtlos sich Johannes M. Michels «Swing Five» mit fiebrigen Saxofonkurven da anschloss. Dass bei alledem die Kirchenakustik auch in einem Stream zur Geltung kommen kann, beweist eine Meditation von Giacinto Scelsi :Wie sich hier die Klänge des Tenorsaxofons in der Kirche überlagerten und aneinander rieben, hört man auch im Digitalformat.

Hinweis
Der Livestream des Konzerts ist weiterhin verfügbar



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